Der eCitaro fährt im Linienverkehr der ersten Unternehmen – der Service ist schon da. Das eMobility-Servicekonzept umfasst neben Betreuung und Ersatzteilservice sogar eine Musterwerkstatt und ein Qualifizierungsprogramm für Hochvolttechnik. Einer der Schwerpunkte: maximale Sicherheit.

Omnibus Magazin
Zellenmodultausch statt Ölwechsel
Das eMobility-Servicekonzept von OMNIplus.
Der Blick hinter die Kulissen eröffnet eine neue Sicht auf die Welt der Elektromobilität.
Elektromobilität heißt, öffentlichen Personennahverkehr neu zu denken. Das betrifft auch den Service. Er steht bei E-Mobilität vor völlig neuen Herausforderungen. Kurz gesagt: Hochvolttechnik statt Ölwechsel. Traditionelle Tätigkeiten rund um Verbrennungsmotor, Abgasnachbehandlung und Automatikgetriebe entfallen, neue kommen hinzu. Das Berufsbild der Mitarbeiter in der Werkstatt, deren technische Ausrüstung und die betrieblichen Abläufe verändern sich. Gleichzeitig ist die Fahrzeugtechnik neu. Beruhigend also, dass der Mercedes-Benz eCitaro standardmäßig eine Fünfjahresgarantie für die Hochvoltkomponenten mitbringt. Zum Gesamtpaket gehören außerdem Wartung und Reparatur sowie eventuell notwendiger Ersatz für Komponenten im Hochvoltsystem.
Die Servicemarke OMNIplus begegnet den Herausforderungen mit dem eigens entwickelten eMobility-Servicekonzept. Es setzt sich aus aufeinander abgestimmten Einzelbausteinen zusammen. Verkehrsbetriebe können sich daraus individuell passende Bausteine zusammenstellen. Das beginnt mit der klassischen Betreuung der Kundenwerkstatt, geht weiter über Werkstattleistungen in Verbindung mit ServiceVerträgen in werksseitigen Kompetenzzentren und mündet schließlich im Bus-Depot-Management: Hier übernehmen Mitarbeiter von OMNIplus festgelegte Arbeiten bis zur Rundumbetreuung der Fahrzeuge direkt in der Kundenwerkstatt.
Vorteile für den Unternehmer:
- Service von OMNIplus aus einer Hand
- Maßgeschneiderte ServiceVerträge eBasic und ePremium
- Schlagkräftige und bewährte Organisation von den Stützpunkten bis zum Teilelager
- Umfassende Garantieleistungen
- Komplettes Schulungskonzept für Mitarbeiter aller Bereiche
eServiceVerträge nach Maß.
Für den eCitaro hat OMNIplus maßgeschneiderte eServiceVerträge entwickelt. Der Vertrag eBasic umfasst Reparaturen am Hochvoltsystem und an der Hochvoltbatterie, Betriebsstoffe außer der Batterieladung sowie alle nach Herstellervorgaben erforderlichen Wartungsarbeiten am Gesamtfahrzeug. Der ServiceVertrag ePremium umfasst darüber hinaus Reparaturen am Gesamtfahrzeug inklusive Wartung und Verschleiß sowie fahrzeugbezogene Kosten bei einem Pannenfall. ePremium bietet somit ein Rundum-sorglos-Paket für den Umstieg auf eine Elektrobusflotte. Vorteil der ServiceVerträge sind maximale Verfügbarkeit, planbare Kosten und größtmöglicher Werterhalt. Betreiber des eCitaro können jederzeit einen der beiden ServiceVerträge abschließen, Laufzeit und Leistungsumfang werden individuell festgelegt, etwa durch Zusatzpakete wie gesetzliche Untersuchungen.
Flankierend zu all dem ist auch das Ersatzteillager bereits bestückt. Denn hier gilt wie bei allen Omnibussen von Mercedes-Benz: Wenn der eCitaro kommt, dann ist der OMNIplus Service schon da.
Training in der Musterwerkstatt.
OMNIplus unterstützt Unternehmen mit der beispielhaft eingerichteten OMNIplus Musterwerkstatt im TrainingCenter Dortmund. Hier können sie sich zunächst über die Ausstattung einer Werkstatt für E-Omnibusse informieren. Dortmund ist indes weit mehr als eine Schauwerkstatt – hier wird intensiv qualifiziert und ausgebildet, denn nur vorbereitete Mitarbeiter dürfen eine Werkstatt mit E-Fahrzeugen auf Grund gesetzlicher Vorgaben betreten oder gar mit der Hochvolttechnik arbeiten
Der Blick hinter die Kulissen eröffnet eine neue Sicht auf die Welt der Elektromobilität – abseits von gängigen Diskussionen über Reichweite oder Batteriegrößen.
TrainingCenter Dortmund, Tor 31a: Hinter einem unauffälligen Rolltor verbirgt sich die einzigartige OMNIplus Musterwerkstatt. Hier lernen Monteure den Umgang mit der Hochvolttechnik des eCitaro. Es geht schließlich um eine beachtliche elektrische Spannung von bis zu 750 Volt. Das ist mehr als das Dreifache der Spannung einer Steckdose im Haushalt.
Kay Volmer ist gelernter Elektrotechniker und Kraftfahrzeug-Elektriker, erfahrener Technischer Trainer und verantwortlich für Hochvoltsicherheit bei OMNIplus. Er kennt die Komponenten des eCitaro und dessen Sicherheitskonzept bis ins Detail. Er zeigt auf die Not-Aus-Schalter im Cockpit und im Fach für die Ladesteckdose. „Mit diesem schaltet man den Stadtbus im Fall des Falles innerhalb weniger als einer Sekunde stromlos.“ Volmer erklärt die Notfunktion, die dafür sorgt, dass der eCitaro bei einem eventuellen Problem im Hochvoltsystem noch von der Kreuzung oder gar einem Bahnübergang rollen kann, und erwähnt auch die crashsicher montierten Batterien und Kabel. Er verweist auf die Rettungskarte mit QR-Code an Bord des Citaro. Sie führt zum Rettungsleitfaden der Busse mit Stern, der eigens um ein Kapitel für den eCitaro erweitert worden ist.
Kay Volmer ist ein wandelndes E-Lexikon. Er weiß auch um die Vorschrift ECE R100 für Elektro-Straßenfahrzeuge. Danach müssen Batteriegehäuse 15 Minuten lang einem Brand standhalten. „Die Batterie des eCitaro war auch nach einer längeren Zeit als gefordert im Feuer funktionsfähig“, betont Volmer nicht ohne Stolz. Die Batterien sind nach Gefahrgutvorschriften geprüft und zertifiziert. Mit Tests von Zelle, Zellmodul, Batteriepaket und den Batteriegruppen im Fahrzeug sind die Batteriesysteme 4-fach geprüft und extrem sicher.
Die Musterwerkstatt ist Ausbildungsbetrieb für Monteure von OMNIplus und Verkehrsbetrieben. Grundlage ist ein modulares Schulungssystem, jeweils abgestimmt auf die Vorschriften in den einzelnen europäischen Ländern. Ausgebildete Hochvolt-Länderkoordinatoren unterstützen die Weitergabe der Informationen in die Märkte. Dabei geht es um Werkzeuge, um Prozesse und Abläufe – um sämtliche Aspekte der Hochvoltsicherheit.
Strenge Sicherheitsvorschriften.
Eurotrainer von OMNIplus übernehmen die Schulungen. Die Vorschriften für Hochvoltsicherheit sind streng. Eine Liste mit Betriebsanweisungen in der Werkstatt definiert, wer welche Tätigkeiten übernehmen darf, und informiert über Gefahren. Niemand darf einfach so eine Halle mit einem Elektrobus betreten. Es sei denn, er wird vorher genau instruiert. Weitaus umfangreicher sind die Schulungsinhalte für die Monteure. Im Grundmodul qualifizieren sie sich zur Fachkraft für Hochvoltsysteme. Wer danach das Fachmodul eCitaro absolviert, kann den Elektrobus komplett reparieren. Nach einem weiteren Modul dürfen Spezialisten sogar havarierte Batterien beurteilen und instand setzen.
Natürlich können Verkehrsbetriebe diese Jobs auch den Spezialisten von OMNIplus überlassen. Sie kümmern sich auf Wunsch um Wartung und Reparatur, sogar in der Kundenwerkstatt. Kay Volmer demonstriert die Ausrüstung, etwa eine Lagerbox für Batteriemodule mit integrierter Brandlöschanlage. „Zwar brennt eine Lithium-Ionen-Batterie nicht im herkömmlichen Sinn, aber die Versicherungen verlangen Schutzmaßnahmen“, erklärt Volmer. „Diese Box erspart den Betrieben die Sprinkleranlage in der Halle.“ Nur eine von vielen pragmatischen Ideen aus Dortmund.
Nach der Ausbildung können Techniker sogar verschlissene Zellmodule der Batterien tauschen. Mit Hilfe von Wärmebildkameras werden defekte Module bereits von außen erkannt. Die Mitarbeiter tragen zur Sicherheit isolierte Handschuhe, Schutzkleidung sowie einen Helm mit Visier – das schützt vor der Gefahr eines Störlichtbogens im Fall eines Kurzschlusses. Bei Arbeiten an Batterien unter Spannung wird die Station mit einem Absperrband abgeschirmt.
Sorgfältige Dokumentation.
Neue Module werden in einer Ladebox per Canbus-Vernetzung mit der Batterie exakt auf deren Spannung gebracht. Von der Seriennummer bis zur Position des Zellmoduls wird alles sorgfältig dokumentiert. Volmer spricht auch Empfehlungen für mobile Ladegeräte für den eCitaro in der Werkstatt aus. Er präsentiert dazu eine passende Krantraverse sowie einen Rollwagen zum Batterietransport – so ein Akku wiegt schließlich rund 220 Kilogramm.
In jeder Hinsicht herausragend ist der mobile Dacharbeitsstand. Mit ihm steigen Monteure dem eCitaro aufs Dach, rundum abgesichert durch Geländer und Schiebekassetten als formschlüssige Verbindung zum Bus. Erker nehmen Werkzeugwagen oder ein mobiles Prüfgerät auf. Auch ein eCitaro rollt einmal im Jahr zum Service. Dann entfällt zwar der Motorölwechsel, aber an definierten Stellen werden zum Beispiel Potenzialausgleich und Isolation des E-Busses gemessen.
Beim Abschied am Tor 31a formuliert Kay Volmer selbstbewusst: „Andere liefern nur Busse.“ Bei Mercedes-Benz und OMNIplus gibt es zum eCitaro gleich den umfassenden Service mit dazu.